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Ach Du heilige Scheiße!

30. November 2014

Wunderschönen Sonntag, liebe Gemeinde!

Ich bin ja schon immer eher der Typ gewesen, der durchhängt. Zwei Wochen intensiv gearbeitet, kreativ gewesen, Nächte durch gemacht und danach einen Kater davon getragen und 3 Wochen nur in meine Bude verkrochen. Nicht sehr sexy, aber so bin ich halt – blass, ein bisschen hager und zwischen Motivationslosigkeit und absoluter Obsession gibt es für mich keinen Mittelwert.

Als ich mal wieder starke Magen-/Darmbeschwerden bekam, war es für mich absolut nichts Neues. Gehört das schließlich zu meinem Repertoire an Beschwerdebildern die ich schon seit meiner Kindheit mit mir herum trage. Von Wachstumsschmerzen über Verdacht auf Blinddarmentzündung, Reizdarmsyndrom und die allseits gefürchtete Gastritis, habe ich schon alles gehabt. Kenne ich.

Aber jetzt kam was neues dazu, ziemlich gruselig, eklig und bestimmt noch viel weniger sexy… innere Blutungen am Darm… uh yeah… Das was sich eine Dame von Welt so wünscht. Gestresst und irgendwie peinlich berührt, hab ich das ganze mal ignoriert und mir eingebildet, dass ich ein Hämorrhoidenleiden habe. Mit frischen 25 bin ich schließlich in einem Alter, in dem das durchaus mal vorkommt – sagt Dr. Google. Selbst deswegen hätte ich aber mal besser zu einem wirklichem Arzt gehen sollen, bin ich aber erstmal nicht. Ist ja schließlich peinlich und mein Arschloch und ich haben jetzt nicht die beste Beziehung… also wir sind schon Kumpels… aber nichts was wirklich über einmal am Tag quatschen hinaus geht.

Auf einmal muss ich mich aber mit dem Ding bis zu 8 mal am Tag beschäftigen, das ging mir doch etwas schnell. Besser wurde es nicht und so langsam machte ich mir Sorgen. Also ab mit mir zum Popoarzt, im allgemeinen auch als Proktologe bekannt. Meiner heißt Dr. U. und ist ein wirklicher Schatz; hat mich, aus dem Hintern blutendes Nervenbündel, sehr beruhigen können, bevor ich untersucht wurde. Endarmspiegelung heißt nämlich das Codewort und ist wirklich nicht der größte Spaß, auch wenn für den Normalsterblichen schmerzfrei. Traumatisiert von anderen Spiegelungen in meiner Vergangenheit, hab ich trotzdem geheult, dafür bekam ich aber ‚ne Decke und eine Krankenschwester die mir mein Gesicht streichelt.

Zu viel Blut – Er konnte nichts sehen. Vordiagnose Proktitis und ich muss, so schlimm es für mich auch ist, doch nochmal zur Darmspiegelung. Nääääääää!!! -.-
Darauf hatte ich nicht wirklich Lust, aber weil es mir durch den Blutverlust immer schlechter ging, blieb nichts anderes übrig. Zum Glück hatte Dr. U. für mich armes Ding den perfekten Arzt und so kam ich in die Praxis von Dr. K..
Ledersessel und frische Schnittblumen im Wartezimmr empfingen mich. Fast romantisch, wenn ich nicht gerade die bildhafte Vorstellung davon hätte, was paar Wände weiter passiert. Ich weiß das nämlich – hatte die Freude schon zwei mal.
Spaß hatte ich nur das erste mal bei der Magen-Darm-Spiegelung, da bekam ich nämlich Michael Jacksons Wundermilch Propofol als Sedativum verabreicht. Bekam gar nichts mit und wachte mit einem lustigen Rausch wieder auf. Dummerweise war es für den Arzt weniger lustig, ich scheine wohl stark gehustet zu haben und hatte letztendlich auch noch einen Atemstillstand. Hooray! Er hätte einige Minuten damit verbracht allein das wieder in den Griff zu bekommen. Für mich klang das lustig, ich war ja auch high. Für meinen Hausarzt klang es zwei Wochen später nach „Sie sind fast gestorben“. Ich bekam eine Gastritis diagnostiziert und wurde für zwei Wochen auf Schonkost und Antibiotika gesetzt.
Das zweite Mal war etwa 1 1/2 Jahre später, als ich mit den selben Symptomen, diesmal zu einem anderen Internisten kam. Ich ging davon aus, mal wieder eine Magenschleimhautentzündung zu haben und wurde auch prompt am Magen gespiegelt. Diesmal ohne Betäubung, für die paar Minuten wollte niemand ein Risiko eingehen. Es wurde allerdings auch nichts gefunden. Da aber die Symptome immer schwer vom Darm zu trennen seien, wurde mir empfohlen doch noch eine Koloskopie machen zu lassen.

Nichts ahnend was auf mich zu kam, willigte ich ein. Nach der üblichen Vorbereitung von einigen Tagen, lag ich also auf einem Tisch, auf die Seite gebunden mit einer Art Knebel im Mund. Ich bekam Dormicum, das wäre zwar nicht so stark einschläfernd wie Propofol, sollte mich aber beruhigen. Tat es nicht. Darauf folgten 25 Minuten schreckliche Schmerzen und ein Arzt der mich anschrie, weil ich schrie.

Alles nicht ganz so klasse und ich wünschte mir meinen Propofolatemstillstandrausch wieder…
Auch im Darm wurde nichts gefunden und so hielt ich mich von da an in solchen Zeiten mit leichter Ernährung über Wasser.

Ich saß also in der Praxis von Dr. K. und wurde aufgerufen. Dr. U. hatte mich mit weiser vorraussicht an diesen Doc weiter geleitet, denn Dr. K. konnte mich wirklich sehr beruhigen und versprach mir auch, sofort aufzuhören sobald ich Schmerzen hätte. Vermutlich müsste bei mir sowieso nicht so viel gespiegelt werden. So war es dann auch. Ich bekam mein Päckchen Wundergetränk Moviprep und wurde zum Abführen nach Hause geschickt. Eine Woche später wurde ich gespiegelt.
Diesmal erfuhr ich auch die Wirkung von Dormicum, wie aus der Vogelperspektive schaute ich auf den Monitor während der Darmspiegelung und hinterher schien ich vergessen zu haben, dass ich überhaupt Schmerzen hatte.

Nach einer halben Stunde im Aufwachraum konnte ich zur Nachbesprechung und ich bekam eine Diagnose: Colitis Ulcerosa. Ich nahme es locker hin, dachte mir aber in dem Moment – weshalb hab ich nur so viel gegoogelt?! – denn irgendwie machte mir das Ergebnis doch Bauchschmerzen.

Damit gehöre ich jetzt wohl auch zum Club der Auto-Imun-Erkrankten. Colitis Ulcerosa gehört zu den CED, den Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen und ist zum gegebenen Zeitpunkt nicht heilbar.
Seit meiner Spiegelung am Donnerstag, letzte Woche, hänge ich auch in meinem ersten für mich bewussten Schub fest, der sich durch blutigen Durchfall und fehlende Antriebskraft äußert. Samstag war ich wegen erhöhten Blut- und Wasserverlust für 6 Stunden in der Notaufnahme. Nach drei Infusionen durfte ich das Krankenhaus spät Abends wieder verlassen.
Noch weiß ich nicht so recht, was mich erwartet und wie mein Leben jetzt aussehen wird. Es kann sein, dass es mir bald besser geht; es kann sein, dass ich 1 Jahr lang keine Ruhe haben werde und danach nichts mehr von der Krankheit höre… Jedenfalls bekomme ich jetzt Medikamente – Cortison und Mesalazin und hoffe dass ich bald wieder kreativ sein kann.
Darüber schreiben tut mir gut und ich möchte daran teilhaben in Zukunft diese, gar nicht so seltene, Erkrankung für Betroffene transparenter zu machen. Ich stehe noch am Anfang einer Reise, ich nehme Euch gerne mit.

Bis die Tage,
Eri.

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